Exposé: Das NOTA-System

Ein integratives, landschafts-metaphorisches Interim-Konzept für die elementare und barrierefreie Gitarrenpädagogik

1. Die pädagogische und fachdidaktische Ausgangslage

Der frühe Instrumentalunterricht auf der klassischen Gitarre verlangt eine sensible Balance zwischen kognitiver Erfassung und motorischer Umsetzung. Das NOTA-System wurde als zweijähriges Vorschalt- und Interimskonzept entwickelt, um den Einstieg im Frühalter (ab 4 Jahren) sowie in der barrierefreien Heilpädagogik radikal zu erleichtern.

Das Konzept basiert auf langjähriger, fundierter Praxis in der Instrumentalpädagogik und der Leitung eines vielseitig besetzten, publikumsnahen Musikschul-Zupfensembles (Gitarrenstimmen 1–3, E-Bass, Mandolinen 1–2, Ukulelen 1–2, Gitarrenbanjo sowie Oktavgitarren 1–2). In Anlehnung an historische Aufführungspraktiken des Barock und inspiriert durch das renommierte Ensemble „La Volta“ von Jürgen Hübscher wurde dieses Ensemble stets aktiv vom Instrument aus mitspielend geleitet. Die dort gewonnenen Erkenntnisse über Gruppendynamik und barrierefreie Rhythmusarbeit flossen maßgeblich in die Entwicklung von NOTA ein.


2. Das Kernkonzept: Die Kinder-Landschafts-Metapher

Um Lesebeeinträchtigungen zu vermeiden, die durch die visuelle Dichte traditioneller Systeme entstehen können, reduziert NOTA das Notenbild in den ersten ein bis zwei Jahren auf drei strukturierte, übereinanderstehende Räume. Das System nutzt die vertikale Anordnung einer klassischen Kinder-Landschafts-Zeichnung, um Tonhöhen ohne theoretische Hürden räumlich zu verorten:

Ebene / Raum

Landschafts-Metapher

Grafische Darstellung

Funktion & Saitenzuordnung

➀ 1. Raum (oben)☀️ Sonne

Innenfläche: Weiß

1. Saite (höchste Melodieseite). Symbolisiert den lichten Himmel.

➁ 2. Raum (mitte)☁️ Wolke

Innenfläche: Leicht Grau

2. Saite. Der graue Hintergrund dient als visuelle Barrierefreiheit zur optischen Zeilentrennung.

➂ 3. Raum (unten)🏠 Haus / Erde

Innenfläche: Weiß

3. Saite. Der feste, basale Boden des dreisaitigen Kernraums.

Hinweis zur Ergonomie: Zur physischen Entlastung der linken Hand im frühen Anfangsunterricht wird standardmäßig mit einem Capodaster auf dem 5. Bund agiert. Dies verkürzt die Mensur spürbar und erleichtert kleinen Fingern die Greifarbeit in der ersten Lage.

  Die prospektive Erweiterung für die tiefen Basssaiten:

Sobald die basale Dreierstruktur gefestigt ist, wird der Blick spielerisch unter das Fundament des Hauses gelenkt:

  • 4. Saite: 🐰 Häslein in der Grube (unmittelbar unter dem Haus)

  • 5. Saite: 🚢 Schiff im Meer (tiefere Ebene)

  • 6. Saite: 🦈 Haifisch ganz tief unter Wasser (die tiefste Bass-Saite)


3. Didaktische Verzahnung und Lehrplan-Struktur

Das NOTA-System existiert in der Unterrichtspraxis nicht isoliert, sondern ist Teil eines synchrone und ganzheitliche Prozesse umfassenden Curriculums für klassische Gitarre. Es dient als didaktische Brücke und wird vom ersten Unterrichtstag an parallel mit klassischen Methoden verzahnt:

  • Der parallele Weg zur klassischen Notation: Die traditionelle Notation wird von Beginn an konsequent und penibel mittels systematischer Notendiktate erlernt. Beginnend mit zwei benachbarten Tönen wird der Tonraum schrittweise auf 3, 4, 5, 6, 7 und 8 Töne bis zum Erreichen der vollständigen Oktave ausgedehnt.

  • Noten Pur: Bei diesen Diktaten wird bewusst auf jegliche Fingersatz-Angaben verzichtet. Ziel ist das vollkommen reine, flüssige Lesen und Umsetzen des Notentextes. Ab dem Erreichen der Oktave wird im Unterricht alternierend mit klassischen Noten und NOTA gearbeitet.

  • Unterrichtsmaterialien & Ergänzungen: Als fundamentale Basis dient parallel die renommierte Gitarrenschule „Los geht’s“ vom Schott Verlag. Der Unterrichtskomplex umfasst somit: Klassische Noten (via Diktat) ➔ NOTA (als Interim) ➔ Literaturarbeit („Los geht’s“) ➔ Intensive Rhythmusübungen.

  • Weiterführende Phasen: Sobald die harmonischen Greifstrukturen gefestigt sind, erfolgt die Einführung der Liedbegleitung, das Ensemblespiel sowie das Plektrumspiel für alle Instrumente des Zupf-Ensembles.

  • Status der 6-Saiten-Tabulatur: Die klassische Sechslinien-Tabulatur stellt ausdrücklich kein primäres Unterrichtsziel dar. Aufgrund der durch NOTA geschulten mentalen Transferleistung wird diese von den Schülern erfahrungsgemäß mühelos und rein passiv im Laufe der Zeit miterlernt.


4. Zielgruppen und inklusive Relevanz

Aufgrund der hocheffizienten visuellen Reduktion auf drei Kernräume (Sonne, Wolke, Haus) eignet sich NOTA exzellent für:

  • Die Elementare Musikpädagogik (EMP): Ein absolut frustfreier, koordinativ bewältigbarer Einstieg für das Vorschulalter unter Umgehung des komplexen Lagenspiels in der Anfangsphase.

  • Inklusion und Barrierefreiheit: Ein praxiserprobtes Werkzeug für Menschen mit kognitiven, motorischen oder visuellen Einschränkungen (z. B. Dyskalulie, ADHS, Sehschwächen), da es die visuelle Reizdichte minimiert und schnelle, motivierende Lernerfolge generiert.


Konzept und Entwicklung: Erwin Weng, Ehemaliger Ensembleleiter im Musikschuldienst. Vanessa Zangl, Clausdieter Weng, Georg Andersen, Dagmar S. Schiemann 2026. Dieses Informationsblatt steht kostenfrei zur pädagogischen Nutzung bereit. Alle Rechte an der NOTA-Tonschrift vorbehalten.